Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Besonders für Angehörige kann es schwierig sein die vielschichtigen Symptome von Borderlinern zu erkennen. Es sind sehr komplexe Handlungsmuster, gemischt mit Impulsivität und Extremen.

Meist gelingt es selbst Betroffenen nur schwer ihre Symptome und Muster zu erkennen. Hier ein Erklärungsversuch der einzelnen Kriterien.

Angst vor dem Verlassen werden

„Hektisches Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.“

Ein Borderliner hat ständig Angst verlassen zu werden. Vom Partner, Freunden, Familienmitgliedern, … . Wenn andere auf Wolke 7 schweben, verdunkelt sich unser Himmel, denn wir sind davon überzeugt dass sich alle Personen früher oder später von uns abwenden.

„Warum sollte sie bei mir bleiben?“ „Ich bin nicht genug.“ „Ich bin nicht liebenswert.“

Damit das nicht passiert, handeln und reagieren wir oft sehr extrem:

Mit rasender Eifersucht, wir überschütten euch mit Liebe und klammern an euch fest, wir versuchen euch jeden Wunsch zu erfüllen und stellen uns selbst ganz hinten an. Unbewusst und aus dem Affekt heraus kann es sein, dass wir euch auf Schritt und Tritt zwanghaft kontrollieren, Geschichten erfinden um euch zu manipulieren, uns selbst verletzen um euch zu zeigen wie sehr wir euch brauchen, absichtlich Streit zu suchen um uns danach wieder mit euch zu versöhnen – alles um am Ende nicht alleine dazustehen.


Beziehungen

„Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.“

Wenn wir jemanden lieben, dann voll und ganz. Von heute auf morgen würden wir für die Person die wir lieben ohne zu zögern unser Leben geben. Wir stellen unser Leben auf den Kopf, werfen Pläne über Bord, ziehen in ein anderes Land – auch wenn wir die Person erst letzte Woche kennengelernt haben.

Für uns gibt es nur gut und schlecht, schwarz und weiß, Liebe und Hass – Grautöne, Schattierungen oder ein gesundes Mittelmaß sind uns fremd. Wir sind emotional Farbenblind und selbst wenn wir sehen möchten – wir können es nicht.

Während wir dich heute vergöttern, kann es sein dass du schon abends von uns abgrundtief gehasst wirst. Warum? Vielleicht bist du fünf Minuten zu spät gekommen, vielleicht findest du die Urlaubspläne für nächstes Jahr nicht gut, vielleicht hast du auch einfach nur geatmet. Das sind keine Erklärungen oder Entschuldigungen – denn wir wissen es selbst nicht. Nur dass wir plötzlich so fühlen. Morgen früh lieben wir dich wieder und können uns keine Minute ohne dich vorstellen.

Der Wechsel zwischen Schwarz und Weiß, Liebe und Hass ist sowohl für Betroffene als auch Angehörige sehr schwer. Für die Betroffenen, da sie ihre Emotionen nicht kontrollieren können und ständig mit der Angst leben müssen, ihre Liebsten zu verletzen (und Verlassen zu werden).


Selbstbild

„Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung.“

Wir sind nicht in der Lage uns so zu sehen wie wir sind. Sehen wir in den Spiegel, sehen wir ein Bild, welches wir nach unseren eigenen negativen Gedankenmustern zeichnen. Sind wir erfolgreich – zeichnen wir uns als nicht genug, wir sind faul, leisten zu wenig, schaffen nicht das, was wir gerne möchten.

Sind wir schlank – zeichnen wir uns dick, wir essen zu viel, stopfen alles in uns rein.

Sind wir talentiert – zeichnen wir uns so als könnten wir nichts, das kann ja jeder, das ist nichts besonderes.

Wir zeichnen uns immer anders – und sind dabei immer zu wenig, zu viel – alles, nur nicht passend und stets verzerrt. Denn wir können uns nicht so sehen wie wir wirklich sind. Deshalb fällt es uns auch schwer Lob anzunehmen. Mit Kritik hingegen können wir gut umgehen (solange wir deshalb keine Angst haben müssen verlassen zu werden).


Impulsivität

„Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen.“

Wir leben und kommunizieren impulsiv. Entweder wir denken zu viel nach, oder aber zu wenig. Um der Leere zu entfliehen und uns selbst zu „spüren“ neigen wir zu impulsiven Handlungen. Wir kaufen mal auf die Schnelle ein neues Auto obwohl wir nicht genügend Geld haben, oder fahren viel zu schnell. Weil es gefährlich ist, weil wir uns damit indirekt selbst Schaden zufügen könnten. Wir nehmen Drogen und trinken zu viel Alkohol, wir lieben Experimente und das Risiko. Oft können wir erst dann richtig fühlen das wir am Leben sind.


Selbstverletzendes Verhalten

„Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten.“


Stimmungsschwankungen

„Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, z. B. hochgradige episodische Misslaunigkeit, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern.“

Himmelhochjauchzend – zu Tode betrübt. Wir leiden unter starken Stimmungsschwankungen. Der Wechsel von gut zu schlecht kommt oft so schnell, dass wir selbst vollkommen überrumpelt sind. Selten merken wir vorher dass unsere Stimmung kippt.


Das Gefühl von Leere

„Chronische Gefühle von Leere.“

Das Gefühl der Leere ist sehr schwer zu beschreiben. In diesem Zustand fühlen wir keinerlei Emotionen. Keine Freude, nichts kann uns aufmuntern oder glücklich machen. Wir fühlen keine Trauer, keine Wut – es lässt uns alles kalt.


Wut

„Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren, z. B. häufige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen.“

Im Vergleich zur Leere ist die Wut auch körperlich oft spürbar. Sie kann wie alles andere aus dem Nichts kommen. Sie steigert sich nicht, sondern ist in einem Moment einfach da. Wir sind wegen Kleinigkeiten wütend. Weil du so besorgt schaust, würden dir wir am liebsten eine reinhauen. Die Wut ist das Gegenteil der Leere – und verzerrt alles, bis eben nichts mehr übrig bleibt.


Dissoziationen

„Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.“

Wir können uns an bestimmte Dinge nicht erinnern, weil sie zu traumatisch sind. Als Flucht dient uns das Vergessen. Oder wir lösen uns los – und sind wie weggetreten. Wir beobachten uns selbst und können zwischen Traum und Realität nicht unterscheiden.


Aus der Spirale ausbrechen

Wir lieben zu stark, hassen die die wir lieben und haben Angst von ihnen verlassen zu werden. Wir schwanken zwischen Leere und zu intensiven Gefühlen. Wir sind kalt und abweisend, nicht in der Lage zu fühlen oder klammern an euch und freuen uns über jeden Atemzug.

Bei den Symptomen und ihren Ausprägungen handelt es sich um komplexe Verhaltensmuster. Um als Betroffener Stabilität und emotionales Gleichgewicht zu erlangen, ist der Weg das Ziel: Das Gefühls- und Gedankenwirrwarr zu zerlegen und zu entwirren. Nur so ist es möglich aus dieser Spirale auszubrechen – und: es ist machbar!

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