Hilfe annehmen – erste Schritte zur Therapie

Der Schritt Hilfe anzunehmen beginnt nicht beim ersten Besuch beim Therapeuten. Sondern schon viel früher, wenn du erkennst dass etwas nicht stimmt, du dieser Situation entkommen möchtest und bereit bist endlich etwas zu ändern.

Du liegst am Boden, über dir der üble Schlägertyp – dein Leben, scheinbar unbesiegbar. Aber bleibst du wirklich liegen und lässt alles wieder und wieder auf dich einprasseln? Zeit aufzuwachen, aufzustehen und zu kämpfen!

Erste Schritte

Ich steckte in einer Abwärtsspirale. Jeder Tag war eine Qual und ich hatte es aufgegeben mich dazu zu zwingen zu funktionieren. Ich schlief tagsüber, schwänzte die Schule und grübelte in der Nacht über den Sinn meines Lebens nach. Immer wieder drängten sich negative Gedanken auf. Und obwohl ich daran dachte, wollte ich mich nicht aufgeben. Ich erkannte: ich brauche Hilfe.

Mein erster Weg führte mich zu meinem Hausarzt, ich wusste nicht recht wie das mit einem Therapieplatz funktioniert und wollte es vor allem vor meinen Eltern geheim halten. Mein Hausarzt hat mich weiter an einen Facharzt überwiesen, welcher mir eine erste Diagnose stellte und Psychopharmaka verschrieb.

Stationäre Therapie

Nach einem Kontrolltermin bekam ich die Möglichkeit zu einer stationärer Therapie in der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, dieser Krankenhausaufenthalt dauerte sechs Wochen. Ich freute mich über die Chance etwas zu Verändern, war ängstlich und unsicher weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde und fühlte mich in gewisser Weise „gebrandmarkt“. Dieser Schritt machte mich offiziell zu einem „Psycho“. Zu einer Person, die selbst ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt.

Doch viel wichtiger: Du bist endlich bereit zu kämpfen und dich dem Leben zu stellen. Dieser Schritt verlangt Stärke und Mut – sei Stolz darauf und lass dich nicht von diesem Weg abbringen.

In den ersten Wochen habe ich mich oft gefühlt wie ein Kind. Ich lernte gehen, machte kleine zögerliche Schritte. Und ich fühlte mich geborgen in dem Wissen, dass jemand da ist, sollte ich doch mal hinfallen. Die Pfleger und Ärzte hinterfragten nicht alles, versuchten nicht dauernd alles verstehen zu wollen und akzeptierten mich so wie ich bin.

Ich war in einem Doppelzimmer untergebracht und hatte eine sehr angenehme Zimmergenossin. Auch ihr und den anderen Patienten gegenüber musste ich mich nicht verstellen. In diesem geschützten Rahmen konnte ich meine Maske absetzen und mich wieder selbst kennen lernen.

Als Unterstützung bei diesem Lernprozess gab es verschiedene Therapien: Gruppentherapie, Gesprächstherapie, Kunsttherapie, Sporttherapie, Achtsamkeits- und Selbstbehauptungstraining, …

Es gab Stunden, die fielen mir leicht. Andere wiederum brachten mich aus dem Gleichgewicht und zum Stolpern – aber nur, um meine Balance zu stärken. Ich lernte mich, meine Verhaltensmuster, meine Emotionen kennen, und verschiedene Techniken wie ich bei der nächsten Gefühls-Achterbahnfahrt nicht vergesse wo oben und unten ist.

Mir wurde ein ganzer Werkzeugkoffer geschenkt und gezeigt wie ich damit umgehe. An diesem Punkt benötigt man noch zwei wichtige Sachen: Wille und Zuversicht.

Therapeutensuche

Vor meiner Entlassung wurde ich auf das Leben „draußen“ vorbereitet und bei allen nötigen Planungen unterstützt. Ziel war es, die nächsten Etappen genau zu planen. Ich bekam eine Liste mit Therapeuten und eine Reihe von Notfallkontakten. Schon bevor ich die Einrichtung verließ, hatte ich einen Termin bei meinem neuen Therapeuten und Facharzt vereinbart. Diese Vorbereitung erleichterte mir die erste Zeit Zuhause ungemein.

In dieser Etappe ist es wichtig, nicht gleich wieder aufzugeben. Vielleicht stolperst du mal. Mag sein dass du hinfällst. Aber du weißt jetzt, dass es oft viel einfacher ist wieder aufzustehen als liegen zu bleiben.

Fazit

  • Der erste Schritt ist der schwierigste. Doch wenn du erkannt hast, dass du vielleicht Hilfe brauchst und dir helfen lassen möchtest, bist du schon viel weiter (und stärker) als du glaubst!
  • Vertraue dich deiner Familie, Freunden oder Bekannten an. Sie können dir nicht direkt helfen aber dich auf deinem Weg unterstützen!
  • Lass dich nicht beirren und gib nicht auf. Sowohl der schnelle Sprinter als auch der Ausdauerläufer könnten stolpern. Du bestimmst dein Tempo selbst!
  • Es gibt zahlreiche erste Anlaufstellen für Therapieplätze – in einem Beitrag werde ich bald hilfreiche Tipps zusammenfassen.

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